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Kostenlos in Barcelona – Die besten Erlebnisse ohne Eintritt

Aktualisiert: 25. Apr.

Ich lebe seit 2001 in Barcelona und führe seit 2012 Gäste durch diese Stadt. Eine Frage höre ich immer wieder: „Was kann man hier erleben, ohne ein Vermögen auszugeben?" Die Antwort überrascht viele: außerordentlich viel. Barcelona ist eine Stadt, die sich nicht hinter Eintrittskassen versteckt. Wer weiß, wo er hinschauen muss, erlebt mehr als in vielen anderen Städten Europas – und das oft vollkommen kostenlos.


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01

Wenn die Stadt auf die Straße geht – Barcelonas Stadtfeste

Es gibt Momente in Barcelona, in denen man spürt, dass diese Stadt noch weiß, wie man feiert. Nicht für Touristen, sondern für sich selbst. Die katalanischen Feste sind keine Folklore-Aufführungen – sie sind lebendige Tradition, bei der jeder mitmachen darf.

Die größten Feste des Jahres sind die Festes de Gràcia im August, bei denen Anwohner wochenlang ihre Straßen mit selbst gebauten Installationen aus Recyclingmaterialien schmücken, und La Mercè Ende September, das mehrtägige Stadtfest zu Ehren der Schutzpatronin. Beide sind kostenlos, beide sind unvergesslich.

Castells – wenn Menschen Türme bauen

Nichts bereitet einen wirklich auf die Castells vor. Hunderte Menschen drängen sich zu einem lebenden Turm zusammen, bis zu zehn Stockwerke hoch, und ein Kind klettert als Krönung ganz nach oben. Die Stille, die in der Menge entsteht, wenn der Turm steht, ist einzigartig. Bei La Mercè treten die besten Gruppen Kataloniens auf der Plaça Sant Jaume an.

Correfoc – Feuer auf der Straße

Wer noch nie einen Correfoc erlebt hat, sollte sich das zumindest einmal ansehen – aus sicherer Entfernung oder, für Mutige, mittendrin. Als Teufel und Drachen verkleidete Gruppen laufen mit rotierenden Feuerwerkskörpern durch die Straßen. Der Funkenregen gehört dazu. Lange Ärmel und Baumwollkleidung sind kein schlechter Rat.

Konzerte, Lichtshows, Riesenparaden

Während der großen Feste verwandeln sich Plätze und Straßen in Bühnen: Konzerte aller Stilrichtungen, Projektionen auf historische Gebäudefassaden, die traditionellen Gegants – überlebensgroße Figuren aus Pappmachée, die die Geschichte der Stadt tanzen. Alles kostenlos, alles für alle.

Christians Tipp Kein Fest im Reisezeitraum? Das kleine Museum La Casa dels Entremesos in der Altstadt zeigt ganzjährig die Riesen und Fabelwesen der Stadtteile – ein bezaubernder, kaum bekannter Ort. Eintritt frei, Spende willkommen.

02

Salz in der Luft – Barcelonas Küste

Dass eine Millionenmetropole direkt am Meer liegt, ist keine Selbstverständlichkeit. Barcelona hat dieses Geschenk lange nicht zu schätzen gewusst – noch in den 1980er-Jahren war die Küste eine Industriebrache. Heute zieht sich ein gepflegter Strandstreifen über mehrere Kilometer, und die Einheimischen nutzen ihn das ganze Jahr über.

Der bekannteste Abschnitt rund um Barceloneta ist im Hochsommer entsprechend voll. Wer das scheut, findet weiter stadtauswärts in Richtung Poblenou auch an warmen Wochenenden noch ruhige Ecken. Im Frühjahr und Herbst gehört der Strand fast den Einheimischen allein.

Christians Tipp Sitges und Sant Pol de Mar sind mit dem Regionalzug in unter einer Stunde zu erreichen und bieten eine völlig andere Atmosphäre als die Stadtstrände. Ideal für einen Tagesausflug, besonders in der Vor- und Nachsaison.

03

Über den Dächern – kostenlose Panoramapunkte

Barcelona wird von einem Hügel eingerahmt, der sich wie eine grüne Wand hinter der Stadt erhebt. Von seinen Aussichtspunkten aus begreift man die Stadt als Ganzes – das Raster der Eixample, das blaue Band des Meers, die Nadeln der Sagrada Família. Und das alles ohne einen Cent zu bezahlen.

Hoteldachterrassen

Barcelona hat eine bemerkenswerte Dichte an Hoteldachterrassen, die auch für Nicht-Hotelgäste zugänglich sind – zumindest solange man konsumiert. Ein Cocktail bei Sonnenuntergang auf der Terrasse eines Hotels kostet zwar etwas, bietet dafür aber einen Blick über die Dächer der Stadt, den man so schnell nicht vergisst. Kein Eintritt, keine Reservierung nötig – einfach hinauffahren und sich einen Platz suchen.

Burg Montjuïc

Die Festung über dem Hafen hat eine bewegte Geschichte – sie diente jahrhundertelang als Gefängnis und Machtinstrument. Heute ist der Rundgang auf den Außenanlagen kostenlos und bietet schöne Blicke auf Hafen und Stadtpanorama. Wer Zeit hat, geht den Hügel zu Fuß hinunter – vorbei am Botanischen Garten, durch die Gärten des Laribal.

Tibidabo und Park Güell


Der Tibidabo ist der höchste Punkt der Stadt; an klaren Wintertagen sieht man von hier aus die Pyrenäen. Im Park Güell ist der bewaldete Teil kostenlos zugänglich und bietet eigene, weniger überlaufene Aussichtspunkte.

Christians Tipp Auf der Westseite des Montjuïc, am Mirador del Migdia, gibt es ein kleines, schwer zu findendes Café mit Terrasse. Im Sommer werden hier gelegentlich Abendkonzerte veranstaltet – der Sonnenuntergang mit Blick auf das Meer gehört zum Schönsten, was Barcelona zu bieten hat.

04

Barcelona kostenlos entdecken – der Goldene Quadrant

Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert hatte Barcelona eine Bourgeoisie, die es sich leisten konnte, die bedeutendsten Architekten ihrer Zeit mit dem Bau ihrer Stadtpalais zu beauftragen. Das Ergebnis ist ein Stadtviertel, das seinesgleichen sucht: das Quadrat d'Or, der Goldene Quadrant, zwischen Plaça Catalunya und Avinguda Diagonal.

Casa Batlló und La Pedrera sind die bekanntesten Namen – aber das Viertel hat Dutzende weiterer Gebäude, die für sich allein schon eine Reise wert wären. Casa Amatller, Casa Lleó i Morera, Casa de les Punxes, Casa Comalat mit ihrer geschwungenen Rückfassade an der Carrer Còrsega – alles öffentlich, alles kostenlos zu betrachten.

Was viele übersehen: Viele dieser Gebäude haben offene Eingangsbereiche. Ein Schritt ins Innere, und man steht vor hundert Jahre alten Mosaikböden, verzierten Decken, handgeschmiedetem Eisen. Niemand wird einen herausschicken.

Christians Tipp Ich empfehle, das Viertel ohne festes Programm zu erkunden – einfach abbiegen, was interessant aussieht. Der Jugendstil versteckt sich oft in Apotheken, Bäckereien und Drogerien, deren Inneneinrichtung seit über hundert Jahren nicht verändert wurde.

05

Stille mitten im Trubel – gotische Kirchen

Barcelonas Altstadt ist laut, voll und manchmal überwältigend. Wer zwischendurch Stille sucht, findet sie in den gotischen Kirchen der Stadt – und zu bestimmten Zeiten kostenlos.

Santa Maria del Mar

Für mich die schönste Kirche Barcelonas, vielleicht Spaniens. Im 14. Jahrhundert von den Handwerkern und Arbeitern des Ribera-Viertels gebaut, erzählt sie eine andere Geschichte als die Kathedralen der Mächtigen. Das Innere ist von einer Klarheit und Stille, die einen sofort einhüllt.

Kostenfreier EintrittTäglich von 18 bis 20:30 Uhr

Kathedrale der Heiligen Eulàlia

Das religiöse Herz der Stadt seit dem Mittelalter. Der schattige Kreuzgang mit seinem kleinen Brunnen und den weißen Gänsen gehört zu den überraschendsten Orten der Altstadt. Die Krypta beherbergt die Gebeine der Stadtpatronin.

Kostenfreier Eintritt (Gebet und Besichtigung)Mo–Fr: 8:30–12:30 Uhr & 18–19:30 Uhr · Sa: 8:30–12:30 Uhr & 17–20 Uhr · So: 8:30–13:45 Uhr & 17–20 Uhr

Santa Maria del Pi und Sant Just i Pastor

Die Kirche del Pi ist von La Rambla aus an ihrem massiven Glockenturm zu erkennen. Sant Just i Pastor, die älteste Pfarrkirche der Stadt, ist kaum bekannt – und genau deshalb empfehlenswert. Unter dem Kirchenboden laufen derzeit Ausgrabungen, die Überraschendes zutage fördern.

Santa Maria del Pi – kostenlosMo–Do: 10–13 Uhr & 17–20 Uhr · Fr & Sa: 9:30–11 Uhr & 18–20 Uhr · So: 11–13 Uhr

Sant Just i Pastor – kostenlosMo, Do, Fr & Sa: 10–13 Uhr & 18–20 Uhr · Di, Mi & So: 10–13 Uhr

Christians Tipp Für die Kathedrale gilt: Schultern bedecken, keine kurzen Shorts – die Kleiderordnung wird am Eingang kontrolliert. Santa Maria del Mar ist in dieser Hinsicht entspannter, aber Respekt vor dem Ort bleibt selbstverständlich.

06

Grün, weitläufig, geschichtsträchtig – der Parc de la Ciutadella

Der Parc de la Ciutadella ist nicht einfach nur ein Park. Das Gelände hat eine schwere Geschichte: Im frühen 18. Jahrhundert ließ der spanische König hier ein Viertel der Altstadt abreißen, um eine Zitadelle zur Niederhaltung der widerspenstigen Stadt zu bauen. Als die Festung 1868 endlich geschleift wurde, entstand auf dem Gelände der Park – und kurz darauf die Bühne für die Weltausstellung von 1888.

Heute ist er der beliebteste Grünraum der Stadt: Einheimische lesen auf dem Gras, spielen Tischtennis auf den öffentlichen Tischen, rudern auf dem kleinen Teich. An Wochenenden wird hier gepicknickt, gespielt und entspannt.

Was zu sehen ist

Der pompöse Kaskadenbrunnen, an dem der junge Gaudí mitgearbeitet haben soll. Das gusseiserne Tropengewächshaus Hivernacle, frisch restauriert. Das Katalonische Parlament im ehemaligen Zeughaus der Zitadelle. Und ein paar Minuten zu Fuß entfernt der Arc de Triomf, der einst als Eingang zur Weltausstellung diente.

Christians Tipp Der Park ist einer der wenigen Orte in Barcelona, an dem man sich wirklich Zeit lassen kann, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen. Ein Buch, eine Decke, etwas aus dem Supermarkt – das ist manchmal das beste Barcelona-Erlebnis überhaupt.

07

Ein Abend am Montjuïc – die Fontänenshow

Die Font Màgica vor dem Nationalmuseum ist seit 1929 in Betrieb – gebaut für die Weltausstellung, die Barcelona in jenem Jahr der Welt präsentierte. Seitdem ist sie geblieben, wurde modernisiert, und zieht heute Abend für Abend Tausende von Menschen an.

Die Kombination aus Wasser, Licht und Musik ist einfach – und funktioniert. Besonders im September, wenn das Stadtfest La Mercè mit einer großen Abschlussshow mitsamt Feuerwerk gefeiert wird, ist der Platz vor dem MNAC ein Erlebnis der besonderen Art. Die Vorstellungszeiten variieren je nach Jahreszeit; zwischen Januar und Februar ist die Fontäne für Wartungsarbeiten außer Betrieb.

Christians Tipp Im Sommer wird es in Barcelona erst nach 21 Uhr richtig dunkel. Wer pünktlich zur ersten Show kommt, erlebt die Farben nur halb. Lieber etwas später hingehen – dann stimmt das Licht, und die Atmosphäre ist eine andere. Tasche und Rucksack vorne tragen. Leider tummeln sich dort auch Taschendiebe. Wenn man nicht aufpasst, kann es passieren, dass die kostenlose Fontänenschow zu einer teueren Angelegenheit wird.

08

Das Herz der Viertel – Barcelonas Lebensmittelmärkte

Jedes Stadtviertel Barcelonas hat seinen eigenen Markt. Das ist keine touristische Aussage, sondern gelebte Realität. In Sant Andreu, Gràcia, Poble Nou oder Sants kaufen die Menschen täglich ein – Gemüse, Fisch, Käse, Würste, frische Kräuter. Wer das miterleben will, kommt in eine Welt, die mit dem Touristenbetrieb der Ramblas nichts zu tun hat.

Die bekannteste Markthalle ist die Boqueria an La Rambla – sie ist schön, aber überlaufen. Interessanter sind die Stadtteilmärkte: der Mercat de l'Abaceria in Gràcia, der Mercat de Sant Andreu, der Mercat de Sarrià. Keine Eintrittspreise, keine Warteschlangen, echtes Barcelona.

Christians Tipp Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag sind die besten Tage für einen Marktbesuch. Montags fehlen die Fischstände – kein frischer Fang über das Wochenende. Sonntags und samstagnachmittags haben die meisten Märkte geschlossen. Wer Glutenunverträglichkeit hat: „sense gluten, si us plau" wird überall verstanden.

09

Was unter Barcelona liegt – das antike Barcino

Barcelona wurde von den Römern gegründet. Das klingt wie ein Satz aus einem Reiseführer – bis man tatsächlich vor den Überresten steht. Dann wird klar: Diese Stadt ist alt, sehr alt, und sie trägt ihre Geschichte nicht nur in Museen, sondern buchstäblich unter den Füßen.

Stadtmauer und Türme

Teile der antiken Stadtmauer stehen noch – nicht als Rekonstruktion, sondern als Original, eingebaut in Wohnhäuser und Hotelfassaden. Der eindrucksvollste Abschnitt mit erhaltenen Türmen liegt an der Plaça Ramon Berenguer, gleich hinter der Kathedrale.

Der Augustustempel

Im Innenhof eines mittelalterlichen Stadthauses am Carrer del Paradís stehen vier antike Säulen – alles, was vom Tempel des vergöttlichten Kaisers Augustus geblieben ist. Der Anblick ist merkwürdig und faszinierend zugleich: zwei Jahrtausende Geschichte in einem Hinterhof.

Aquädukt, Domus und Nekropole

An der Plaça del Vuit de Març sind Reste des antiken Wasserversorgungssystems zu sehen. Zwei kürzlich eröffnete römische Wohnhäuser – Domus de Sant Honorat und Domus d'Avinyó – sind am ersten Sonntag des Monats kostenlos zugänglich. An der Plaça de la Vila de Madrid liegt eine Begräbnisstätte unter freiem Himmel, die man kaum erwartet.

Stadthistorisches Museum MUHBA

Wer sich systematisch mit dem antiken Barcelona beschäftigen möchte, kommt am MUHBA nicht vorbei. Die Ausgrabungen unter dem Gebäude zeigen auf mehreren Ebenen das Innenleben der römischen Koloniestadt – Werkstätten, Thermen, Straßen. Jeden Sonntag ab 15 Uhr und am ersten Sonntag des Monats kostenlos.

Christians Tipp Wer die antike Stadtmauer abläuft, tut das am besten mit einem Stadtplan, der die Römerzeit zeigt – dann versteht man, wie die heutige Altstadt auf dem Grundriss von Barcino aufgebaut ist. Das ändert den Blick auf alles.

10

Kunst ohne Eintritt – Barcelonas Museen an freien Tagen

Die großen Museen Barcelonas sind teuer – aber fast alle haben Zeiten, zu denen sie kostenlos öffnen. Mit etwas Planung lässt sich ein ganzer Kulturtag verbringen, ohne zu bezahlen. Die meisten städtischen Häuser bieten jeden Sonntag ab 15 Uhr und am ersten Sonntag des Monats freien Eintritt.

MNAC – Nationalmuseum der Katalanischen Kunst

Die Sammlung romanischer Wandmalereien hier ist einzigartig in der Welt – Fresken aus katalanischen Dorfkirchen, die im 20. Jahrhundert gerettet und hierher transferiert wurden. Kostenlos samstags ab 15 Uhr und am ersten Sonntag des Monats.

Picasso-Museum

Fünf zusammengelegte mittelalterliche Stadthäuser beherbergen eine der wichtigsten Picasso-Sammlungen Europas. Kostenlos donnerstags von 16 bis 19 Uhr (Oktober bis April) und am ersten Sonntag des Monats – Reservierung online erforderlich.

Maritimes Museum und Frederic-Marès-Museum

Das Maritime Museum in der mittelalterlichen Drassanes-Werft ist eines der eindrucksvollsten Museumsgebäude der Stadt. Das Marès-Museum im Schatten der Kathedrale bewahrt eine der seltsamsten und liebevollsten Privatsammlungen Europas – von mittelalterlichen Skulpturen bis zu viktorianischen Scheren und Parfümfläschchen. Beide kostenlos sonntags ab 15 Uhr.

Christians Tipp Das Rathaus ist jeden Sonntag von 10 bis 14 Uhr öffentlich zugänglich – mit oder ohne Führung. Der gotische Ratssaal aus dem 14. Jahrhundert, der Saló de Cent, gehört zu den schönsten mittelalterlichen Räumen der Stadt. Kaum jemand kennt ihn.

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1714 – ein ganzes Viertel im Untergeschoss

Das El Born Cultural Centre ist eines der ungewöhnlichsten Orte, die ich kenne. Das Gebäude selbst – eine Eisenkonstruktion aus dem Jahr 1876, einst Markthalle, lange verfallen – ist schon beeindruckend. Aber was sich darunter befindet, ist es noch mehr.

Bei Renovierungsarbeiten in den 1990er-Jahren stieß man auf ein vollständig erhaltenes Stadtviertel aus dem Jahr 1714 – dem Jahr, in dem Barcelona nach der Belagerung durch die bourbonischen Truppen zerstört wurde. Häuser, Straßen, Alltagsgegenstände – alles liegt da, wie es war, als die Menschen vertrieben wurden.

Was diesen Ort so besonders macht: Dank der historischen Archive weiß man die Namen der Menschen, die hier lebten. Geschichte wird plötzlich konkret.

Christians Tipp Die Ausgrabungen lassen sich von den Laufstegen aus überblicken – das ist schon eindrucksvoll. Wer aber wirklich verstehen möchte, was er sieht, sollte eine der geführten Touren buchen. In der Hochsaison gibt es englischsprachige Führungen zu moderaten Preisen.

12

Morgens um sieben auf dem ältesten Flohmarkt Europas

Der Els Encants existiert in irgendeiner Form seit dem Mittelalter. Heute hat er ein neues Zuhause: Unter einem riesigen Spiegeldach, das 2013 eingeweiht wurde, verteilen sich rund 500 Händler auf mehreren Ebenen. Antiquitäten, Haushaltsauflösungen, Werkzeug, Kleidung, Bücher, Schrott und gelegentlich echte Entdeckungen. Geöffnet montags, mittwochs, freitags und samstags von 9 bis 20 Uhr.

Christians Tipp An Werktagen findet zwischen 7 und 9 Uhr, noch vor der regulären Öffnung, eine Auktion statt. Händler bieten auf Kartons und Kisten mit unbekanntem Inhalt – das einzige Marktauktionsformat dieser Art, das in Europa noch existiert. Wer früh aufsteht und Geduld mitbringt, kann hier Erstaunliches finden.

13

Kunst, die morgen schon nicht mehr da ist – Street Art

Barcelona hat eine aktive Straßenkunstszene – und gleichzeitig ein ambivalentes Verhältnis dazu. Die Stadt toleriert Street Art nur an bestimmten Orten offiziell, duldet sie anderswo inoffiziell, und entfernt sie wieder, wenn sie zu exponiert wird. Das Ergebnis ist eine lebendige, ständig sich wandelnde Galerie unter freiem Himmel.

Die dichteste Konzentration an Murals findet man im nördlichen Poble Nou. In Poble Sec, in den Jardins de les Tres Xemeneies, hat die Stadt selbst eine offizielle Fläche für Street Art zur Verfügung gestellt – die Wände wechseln regelmäßig. Wer auf eigene Faust erkundet, wird in El Born, im Gòtic und in El Raval immer wieder auf neue Werke stoßen.

Christians Tipp Street Art lebt von der Vergänglichkeit – was heute noch an einer Wand hängt, kann morgen übermalt sein. Das macht jeden Spaziergang durch diese Viertel zu einem einmaligen Erlebnis.

14

Architektur im letzten Sinne – Barcelonas Friedhöfe

Das klingt ungewöhnlich als Reiseziel. Aber wer sich für Architektur, Geschichte oder Bildhauerei interessiert, sollte einen der großen Stadtfriedhöfe Barcelonas nicht verpassen. Die katalanische Bourgeoisie investierte im 19. Jahrhundert ebenso viel Ehrgeiz in ihre Grabmäler wie in ihre Stadtpalais – und beauftragte dieselben Architekten.

Friedhof Poble Nou

Angelegt 1775, neu gebaut 1819 nach den Zerstörungen der napoleonischen Kriege. Die neoklassizistischen Grabmonumente des 19. Jahrhunderts stehen hier nebeneinander wie eine versteinerte Gesellschaft. Bemerkenswert ist die volksreligiöse Verehrung rund um das Grab des El Santet – ein junger Mann aus dem 19. Jahrhundert, dessen Grabstein bis heute mit Tausenden von Bittbriefen bedeckt ist.

Kostenlose Führungen1. Sonntag im Monat 10:30 Uhr (Katalanisch) · 3. Sonntag im Monat 10:30 Uhr (Spanisch) · Keine Anmeldung nötig

Friedhof Montjuïc

Auf dem Berghang des Montjuïc, mit Blick aufs Meer, erstreckt sich einer der ausgedehntesten Friedhöfe Spaniens. Die Jugendstilgrabkapellen sind beeindruckend – aber der stillste Ort hier ist El Fossar de la Pedrera: ein schlichter Garten, in dem die Opfer der Repression nach dem Bürgerkrieg begraben liegen. Ein Ort der Erinnerung, der einen nicht loslässt.

Kostenlose Führungen2. Sonntag im Monat 11:15 Uhr (Katalanisch) · 4. Sonntag im Monat 11:15 Uhr (Spanisch) · Keine Anmeldung nötig

Christians Tipp Auf dem Gelände des Montjuïc-Friedhofs gibt es ein kleines Kutschenmuseum mit historischen Leichenwagen – samstags und sonntags von 10 bis 14 Uhr kostenlos zu besichtigen. Ein merkwürdiger, schöner Ort, den fast niemand kennt.

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Turo de Rovira– die Bunker del Carmel

Hoch über dem Stadtteil El Carmel liegen die Überreste einer Flugabwehranlage aus dem Spanischen Bürgerkrieg – und kaum jemand, der zum ersten Mal hierherkommt, ist auf das vorbereitet, was ihn erwartet. Nicht nur der Ausblick, der zu den weitläufigsten der ganzen Stadt gehört, sondern auch die Stille, die hier oben herrscht, obwohl Barcelona direkt zu den Füßen liegt.

Die Bunker wurden zwischen 1937 und 1939 gebaut, als die Stadt unter schwerem Beschuss stand. Heute sind sie ein Ort des Gedenkens und gleichzeitig ein beliebter Treffpunkt der Einheimischen – besonders an Sommerabenden, wenn Menschen mit Decken und Wein heraufkommen, um den Sonnenuntergang zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos.

Christians Tipp Am schönsten ist es hier früh morgens oder kurz vor Sonnenuntergang. Mittags im Sommer kann es sehr heiß werden – Wasser mitnehmen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Bus 24 oder V17, dann zu Fuß bergauf.

16

Ein Konzerthaus als Gesamtkunstwerk – das Palau de la Música Catalana

Wer durch das Stadtviertel Sant Pere spaziert, stößt unvermittelt auf eines der außergewöhnlichsten Gebäude Barcelonas: das Palau de la Música Catalana, entworfen von Lluís Domènech i Montaner und 1908 eingeweiht. Die Fassade aus Mosaiken, Skulpturen und farbigem Glas ist von der Straße aus vollkommen kostenlos zu bewundern – und das lohnt sich.

Das Gebäude ist UNESCO-Weltkulturerbe und eines der wenigen Jugendstilkonzerthäuser der Welt, das bis heute in vollem Betrieb ist. Wer ins Innere möchte, ohne eine Führung zu buchen, wartet auf ein Konzert – die Ticketpreise sind je nach Veranstaltung sehr unterschiedlich und manchmal überraschend erschwinglich.

Christians TippDie meisten Besucher eilen an der Fassade vorbei, weil Casa Batlló auf der To-do-Liste steht. Dabei ist das Palau bei Sonnenlicht ein Erlebnis für sich. Einfach stehen bleiben, hochschauen – und die Ecke Carrer de Sant Pere Més Alt genießen, von der aus man die gesamte Fassade auf einmal sieht.


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