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Max Aub — der Schriftsteller, den Barcelona vergessen hat. Die besten Romane & Tipps


Las Ramblas Barcelona – belebte Fußgängerpromenade im Herbst

Wenn ich mit Gästen während der "Bürgerkiegs Tour" über die Ramblas gehe, erzähle ich manchmal von einem Mann, den heute kaum noch jemand kennt — obwohl er Barcelona so genau beschrieben hat wie wenige andere. Sein Name: Max Aub.

Geboren 1903 in Paris, aufgewachsen in Valencia, mit 21 Jahren eingebürgerter Spanier. Seine Muttersprachen waren Deutsch und Französisch — aber er schrieb sein ganzes Leben auf Spanisch. Das sagt schon einiges über diesen Mann.

Ein Reisender mit Koffer und Notizbuch

Jahrelang bereiste Max Aub als Handelsvertreter Spanien — Schmuck im Koffer, Notizbuch im Kopf. Er kannte die Städte, die Bahnhöfe, die kleinen Hotels, die Menschen in den Zügen. Barcelona lernte er nicht als Tourist kennen, sondern als jemand, der hinkam, um zu arbeiten und zu beobachten. Diesen Blick — scharf, neugierig, ohne Sentimentalität — brachte er später in seine Romane ein.

Parallel zur Handelsreiserei veröffentlichte er avantgardistische Texte und schloss Freundschaft mit den bedeutendsten Schriftstellern, Malern und Denkern seiner Generation: García Lorca, Salvador Dalí, Luis Buñuel. Eine Welt, die wenige Jahre später zerstört sein würde.

Guernica und der Bürgerkrieg

1937 war Max Aub Kulturattaché der Spanischen Republik in Paris. In dieser Funktion beauftragte er Pablo Picasso, ein Wandgemälde für den spanischen Pavillon der Pariser Weltausstellung zu malen. Picasso wählte als Thema die Bombardierung Guernicas durch die deutsche Legion Condor. Das Ergebnis kennt jeder. Dass Max Aub dabei eine entscheidende Rolle spielte, wissen die wenigsten.

Dann kam der Krieg nach Barcelona. Am 26. Januar 1939 fielen Francos Truppen in die Stadt ein. Max Aub ging wie Tausende andere ins Exil nach Frankreich — und durchlitt dort eine Odyssee, die man sich kaum vorstellen kann: Internierungslager, Gefängnisse, Flucht durch Marokko. Er tauchte in Casablanca unter — monatelang im Keller einer jüdischen Frauenklinik versteckt. 1942 erreichte er schließlich Mexiko, wo er bis zu seinem Tod 1972 lebte.

Das Magische Labyrinth

Aus dem Exil heraus schrieb Max Aub einen der ambitioniertesten Roman-Zyklen der spanischen Literatur: Das Magische Labyrinth — sechs Bände, die die Geschichte Kataloniens und Spaniens von den Jahren vor dem Bürgerkrieg bis zur Niederlage der Republik erzählen. Barcelona ist darin keine Kulisse, sondern ein lebendiger Organismus: die Ramblas, der Montjuic, der Paralelo mit seinen Varietétheatern, die Gassen des Raval, die Arbeiterviertel.

Seinen ersten Band, Nichts geht mehr, schrieb er 1943 — vier Jahre nach dem Fall Barcelonas. Der Protagonist, ein junger Mann vom Land, kommt in den 1920er Jahren zum ersten Mal nach Barcelona und schaut auf diese Stadt mit dem staunenden Blick des Neuankömmlings. Diesen Blick kenne ich. Meine Gäste haben ihn auch — wenn sie zum ersten Mal die Ramblas hinuntergehen und nicht wissen, wohin sie zuerst schauen sollen.

Warum liest man ihn nicht mehr?

Das ist die Frage, die mich beschäftigt. Max Aub war im mexikanischen Exil produktiv wie kaum ein anderer — aber er schrieb auf Spanisch für ein Publikum, das in Spanien unter Franco lebte und seine Bücher nicht lesen durfte. Als die Diktatur endete, hatte eine neue Generation von Schriftstellern längst die Bühne übernommen.

In Barcelona ist er fast vergessen. Kein großes Denkmal, keine Touristen, die nach seinen Schauplätzen fragen. Dabei geht man täglich an ihnen vorbei.

Das wird sich vielleicht ändern. Gute Bücher warten geduldig.

Die Max Aub Barcelona Romane gehören zu den eindringlichsten literarischen Zeugnissen des 20. Jahrhunderts.

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