Kleine deutschsprachige Führung durch Barcelona: Tipp für eine Tour auf eigene Faust: Esgrafiado: Fassadenschmuck aus Sand.

Unser Deutschsprachiger Guide für Barcelona möchte Ihnen heute ein paar Vorschläge für  einen ganz besonderen Stadtspaziergang zu machen.  Das Thema sind die die wunderschön dekorierten Fassaden in der Altstadt (Barri Gòtic und Santa Catarina).

Erinnern Sie sich: Als Kinder bemalten wir im Bastelunterricht manchmal einen Bogen Papier solange mit bunte Wachsmalkreiden, bis nichts mehr Weißes zu sehen war. Danach übermalten wir dann die bunt ausgemalten Flächen mit schwarzen Wachsmalkreiden und kratzten Figuren in die schwarze Wachsschicht. Zum Vorschein kamen die darunterliegenden Farben.

Eine ähnliche Technik (Esgrafiado genannt, vom Italiensichen „sgraffiare“ für kratzen) verwandten im 18. Jahrhundert Architekten in Barcelona, um die Fassaden stattlicher Großbürgerhäuser und Paläste zu schmücken. Man verputzte die mit Stuck Reliefs verzierten Wände mit Sand und kratzte dann die Bilder heraus.

Auf dieser geführten Tour durch Barcelona (auf eigenen Faust)  zeigen wir Ihnen die schönsten Fassaden.

Wir beginnen unseren Rundgang in der Carrer Escudellers am Plaza George Orwell an einer der schönsten Esgrafiado Fassaden Barcelonas.

Die Treue und die Schönheit

Escudellers 44

 1998 wurden Spezialisten aus Tschechien damit beauftragt, die stark beschädigte Esgrafiado Fassade aus dem Jahr 1769 zu restaurieren. Die männliche Figur ist eine Allegorie für die Treue, die weibliche für die Schönheit. Wahscheinlich stellen sie die Griechischen Götter Hermes und Aphrodite dar.

Vom Plaza George Orwell gehen wir links schnurstracks die Avinió hoch, überqueren die Carrer Ferran und schlendern auf der Carrer Banys Nous bis zur Nummer 47 weiter.

Ein Esgriafado aus dem Jahr 1716

Banys Nous 47

Wir unterbrechen unseren Barcelona Stadtrundgang kurz, um uns diese Fassade anzuschauen, die zwei Jahre nach dem Erbfolgekrieg errichtet wurde. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Esgriafado von dem Maler Francesc Soler i Rovierosa (1836 – 1900) sorgfältig restauriert, der anscheinend eine Vorliebe für diese Technik hatte und bei Restaurierungen immer wieder herangezogen wurde.

Unser virtueller, deutschsprachiger Barcelona Tour Guide führt uns nun in die Carrer del Call Nummer 14.

Die Metamorphosen des Ovid

Call 14

Auf dieser Esgrafiado Fassade, die wahrscheinlich um 1780 herum entstand, kann man den Dichter Ovid erkennen, zudem eine Homage an seine Metamorphosen und auch zwei Illustrationen, die die Innenräume der mittelalterlichen Buchandlung Comellas darstellen, die einst hier stand. Außerdem kann man auch noch zwei Kinder sehen, die in ein Buch vertieft sind.

Bevor wir mit unserer Stadtführung durch Barcelona weitermachen, gönnen wir uns eine Pause im Caelum (auf Link klicken), einem wunderschönen Café, indem nur Leckereien verkauft werden, die nach alten Hausrezepten von Nonnen in ihren Klöstern hergestellt werden.

Frisch gestärkt schlendern wir danach in aller Gemütlichkeit zum Plaça del Pi.

Das Zunfthaus der Gemischtwarenhändler

Plaça del Pi 4

Dieses weinrote barocke Esgrafiado aus dem Jahr 1781 schmückt die Fassade des ehemaligen Zunfthauses der Wiederverkäufer oder Gemischtwarenhändler. Die Figur in der Nische stellt den Heiligen Michael dar. Die Schrift lautet: „Quis Ut Deus“ (Wer zu Gott)

Kleine Engelchen (Cherubine) schweben auf Wolken, und im dritten Stock sind Krüge und Kleidung dargestellt.

Wir verlassen nun den Plaça del Pi, gehen die Schokoladen Straße Barcelonas Carrer de Petritxol entlang bis zur Portaferrissa. Wir biegen rechts ab und gehen auf der Portaferrissa bis zum großen Platz vor der Kathedrale. Dort überqueren wir die Via Laietana, gehen in Richtung Urquinaona und biegen schließlich in die Sant Pere Més Alt ein. Die Hausnummer 1 ist die nächste Station unserer Barcelona Stadtbesichtigung.

Eines von Barcelonas Wanderhäusern

Sant Pere Mès Alt

Als man zu Beginn des 20 Jahrhunderts für die Via Laietana eine Schneise durch das Gassengewirr der Altstadt schlug, wäre dieses wunderbare Esgrafiado aus dem Jahr 1763 beinahe auf immer verloren gegangen. Um die kostbare Fassade zu bewahren, entschied man sich schließlich das Gebäude einige Meter zu versetzen. Die Figuren stellen Altlanten und Karyatiden dar. Eine weitere Figur ist die Purisima, die Schutzpatronin der Seemänner. 2002 wurde die Fassade restauriert.

Unser virtueller Barcelona Stadtführer will uns noch eine Fassade zeigen und drängt uns zum weitergehen. Gehen wir also auf der Sant Pere Més Alt ein paar Schritte bis zur Hausnummer 4.

Das Haus von Pella i Forgas

Sant Pere Més Alt 4

 Der katalanische Kunsthistoriker Josep Pella i Forgas beauftragte Ende des 19. Jahrhunderts den bereits erwähnten Maler Francesc Soler i Rovisrosa damit, ihm sein Haus im Esgrafiado Stil des 18. Jahrhunderts zu dekorieren. Herausgekommen ist dabei diese Fassade, vor der wir gerade stehen.

Wir schlendern nun die Sant Pere Més Alt entlang, bis wir zu dem Gässchen Mare de Déu del Pilar kommen, in das wir nun einbiegen.

Dem Heiligen José Oriol zu Ehren

Mare de Déu del Pilar 24

1918 wurde der Jugendstil Architekt (und Mitarbeiter Gaudís) Josep Maria Jujol damit beauftragt, dieses Gebäude zu renovieren. Jujol, der wie Gaudí sehr religiös war, entschied sich, mit einem Esgrafiado Barcelonas Hausheiligen Josep Oriol zu ehren. Oriol, den der Vatikan 1806 heilig sprach, erblickte in diesem Haus das Licht der Welt.

Wir gehen nun die Gasse Mare de Déu del Pilar weiter und biegen dann in die Sant Pere Més Baix ein.

Das Haus der Vorhänge

Sant Pere Més Baix 46

 Dieses wunderschöne Gebäude ließ sich 1779 ein wohlhabender Seilmacher errichten. Die Esgrafiados stellen nackte Engelchen dar, die Vorhänge halten. Die Schnüre mit Quasten (die wahrscheinlich der Bauherr herstellte) dienten dazu, die Vorhänge auf und zuzuziehen. Dieser Fassadenschmuck war anscheinend eine frühe Werbetafel.

Machen wir mit unserer Barcelona Führung weiter. Wir gehen auf der Sant Pere Més Baix bis zum Arc de Triomf. Dort fahren wir mit der roten Linie bis zum Plaça de Catalunya. Dort angekommen gehen wir die Rambla Catalunya hinunter bis zur Hausnummer 116. Vor der Carrer de la Portaferrissa bleiben wir stehen.

Das Haus von Josefa Nadal

La Rambla 116

Um 1815 herum entstanden hier wunderschöne Esgrafiados. Doch als Josefa Nadal 1889 den Architekten Pere Bassegoda damit beauftragte, ihr Haus zu renovieren, ließ dieser die Esgrafiados abschlagen und vom Maler Francesc Soler Rovirosa (den wir ja bereits kennen) neue anbringen.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, doch man fragt sich, ob hier nicht ein Kunstwerk verloren ging.

Unsere kleine Tour ist zu Ende. Ihr virtueller, deutschsprachiger Barcelona Stadtführer verabschiedet sich. Wie wäre es mit einer heißen Schokolade mit Melindros?  Die Granja Viader (auf Link klicken) ist nicht weit.

Carrer Xuclà 4, Gässchen parallel zu den Ramblas, oberhalb der Boqueria

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