Deutschsprachige Touren und Stadtführungen durch Barcelona mit Barcelona Dragon Tours: Wissenswertes: turtelnde Heiratsnonnen, eine sitzengelassene Vizekönigin und eine Operette von Jaques Offenbach

Sind Sie schon einmal bei einem Ihrer Stadtspaziergänge über den Plaça d‘ Urquinaona geschlendert und haben sich dabei überlegt, wie man diesen Namen wohl ausspricht?

Wenn ja, dann erging es Ihnen wie der Hauptfigur der international erfolgreichen französischen Komödie „Un Auberge Español“, die mit viel Witz die amörosen Abenteuer einer Gruppe von Erasmus Studenten erzählt.

(Der Señor José María Urquinaona war übrigens Ende des 19. Jahrhunderts Bischof von Barcelona.  Als am 19. März  1882 der Grundstein für die Sagrada Familia gelegt wurde, las er die heilige Messe)

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts verlief genau hier die Stadtmauer. Dahinter befand sich das Monastir de Jonqueres, das bis zu seiner Säkularisation während der napoleonischen Besatzung ein recht ungewöhnliches Frauenkloster war.

Die Nonnen, die hinter diesen dicken Mauern wohnten, waren meist höhere Töchter aus begüterten Adels – und Patrizierfamilien des alten Barcelona. Und so verwundert es auch nicht, dass ihre Tracht aus den feinsten und teuerste Stoffen gefertigt wurde.

Mit asketisch barfüßgen Bettelorden hatten sie überhaupt nichts gemein. Sie buken weder Süßewaren, um sich über Wasser zu halten, noch arbeiteten sie als Krankenschwestern.

Zwar gingen sie wie es sich für eine Nonne gehört regelmäßig in die Kirche, doch sie legten weder ein Armuts – noch ein Keuschheitsgelübde ab.

Die Ordensfrauen des Monastirs de Jonqueres waren im mittelalterlichen Barcelona auch als muntere Heiratsnonnen bekannt. Da sie zudem auch noch aus reichen Familien stammten, galten sie als gute Partie.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass so mancher liebeshungrige Mann auf Brautschau es sich in den Kopf setzte, das Herz einer Heiratsnonne zu erobern.

Deren Motto war: ich bin schwer zu kriegen. Du musst mich nur fragen.

Die Nonnen vom Monastir de Jonqueres mussten sich beim Anbändeln auch nicht vor der Mutter Oberin verstecken. Im Klostergarten an der Stadtmauer gab es mehrere „Turtel Bänke“, auf denen die Nonnen händchenhaltend mit ihren Bewunderen saßen und schäkerten.

Wahrscheinlich hatte so mancher  heranwachsenender Junge aus der Nachbarschaft seinen Spass daran, heimlich in den Klostergarten einzudringen und den Heiratsnonnen beim Schmusen zuzusehen.

1810, als Napoleons Truppen die Stadt unterjochten, wurde der Orden aufgelöst.

Für eine Weile war das Kloster Lazaret, dann Militär Akademie.

Als die Stadtmauern schließlich abgetragen wurden, riss man das Kloster ab und baute es  Stein für Stein im Eixample wieder auf.

Den mittelalterlichen Kreuzgang kann man heute noch an der Straßenkreuzung von Carrer Aragó und Roger de Llúria besichtigen.

Ende des 18. Jahrhunderts war eine der Heiratsnonnen die blutjunge Maria Francesca Fivaller, höhere Tochter aus einer der einflussreichsten Familien Barcelonas.

Ein junger Mann eroberte ihr Herz und machte ihr einen Heiratsantrag. Wahrscheinlich dachte er dabei nur an ihr Geld.

Am Hochzeitstag bekam er nämlich kalte Füße und ließ sie gnadenlos am Brautaltar sitzen.

Das junge Mädchen war verzweifelt. Eine sitzengelassene Heiratsnonne zu sein war anscheinend doch sehr schmachvoll.

Der Onkel des flüchtigen Bräuigams war niemand anders als  Manuel de Amat, Exgouverneur von Chile und Vizekönig von Peru, der sich während seiner Jahre in Südamerika ein unermässliches Vermögen zusammengestohlen hatte und ein paar Jahre vor seiner Rückkehr 1779 an den Ramblas einen luxuriösen Barock Palast bauen ließ.

Obwohl Manuel 50 Jahre älter war als die junge Fivaller, sprang er sofort ein und heiratete sie vom Fleck weg. Wahrscheinlich um die Famillienehre zu retten.

Lang wärte das traute Eheglück allerdings nicht. Am seinem Palast konnte der alte Amat sich auch nicht erfreuen. Denn er starb schon kurze Zeit später.

Die junge Fivallier erbte das zusammengestohlene Vermögen samt Amats Barock Palast an den Ramblas, der seitdem Palast der Vizekönigin genannt wird. (Palau de la Virreina).

Manuel  de Amat muss ein recht unangenehmer Zeitgenosse gewesen sein, der wie so viele Gouverneure und Vizekönige die Bewohner Südamerikas grausamst ausbeutete.  Er scheint allerdings auch ein leidenschaftlicher und treuer Liebhaber gewesen zu sein.

Die große Liebe seines Lebens war die peruanische Sängerin Michaela Villegas, die von ihren Bewunderin  „La Perricholi“ genannt wurde und 40 Jahre lang seine Mätresse war.

Der Komponist Jaques Offenbach ließ sich von ihrer leidenschaftlichen Liebgesschichte inspirieren. In Anlehnung an ihre Liason komponierte er die Operette  „La Pericholé“. Das Libretto verfassten Henri Meilhac und Ludovic Halevy.

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